Der US-Arbeitsmarktbericht Nonfarm Payrolls vom Freitag setzte einen deutlichen Akzent und rundete die vergangene Handelswoche ab. Trotz seiner Wirkung und Bedeutung gelang es dem Bericht jedoch nicht, dem EUR/USD eine klare Richtung vorzugeben. Das Währungspaar schloss den Freitag bei 1,1614, sodass die Woche formal zugunsten der Käufer endete, da der Eröffnungskurs auf W1 bei 1,1581 lag.
Aus technischer Sicht beendete das Paar die Woche an einem Scheideweg – auf der Mittellinie der Bollinger Bands im D1-Zeitrahmen und zwischen den Linien Tenkan‑sen und Kijun‑sen. Verschiebt sich das Kräfteverhältnis nach Norden, würde sich der Kurs zwischen der mittleren und der oberen Bollinger Band bewegen, und der Ichimoku‑Indikator würde ein bullisches „Parade of Lines“-Signal ausbilden. In diesem Fall könnte der Bereich um 1,17 in den Fokus rücken. Andernfalls dürfte sich das Paar weiter innerhalb der 1,15‑Spanne bewegen, mit einem Kursziel in Richtung 1,1510 (die untere Bollinger Band, die mit der oberen Kumo‑Begrenzung im D1‑Chart zusammenfällt).
Die wichtigsten Treiber der EUR/USD-Kursbewegung in der kommenden Woche sind die US-Veröffentlichungen zu CPI/PPI und die Septembersitzung der Europäischen Zentralbank – anders ausgedrückt: der Grad der Entkopplung zwischen den Leitzinsen von Federal Reserve und EZB und die entsprechenden geldpolitischen Erwartungen.
Der Hauptgrund dafür, dass der Dollar auf die starken Nonfarm Payrolls nur verhalten reagiert hat, liegt darin, dass der Markt gleich zwei dovishe Signale erhalten hat.
Erstens hat Fed-Governor Christopher Waller erklärt, er neige dazu, auf der Septembersitzung eine Beibehaltung des aktuellen Zinssatzes zu unterstützen, sofern sich das Inflationsbild weiter verbessert.
Zweitens hat Donald Trump öffentlich gefordert, dass die Fed die Finanzierungskosten senkt. Es ist nicht seine erste derartige Forderung, aber die erste, seit Kevin Warsh den Vorsitz innehat. Warshs Vorgänger Jerome Powell hatte einst dem Druck aus dem Weißen Haus standgehalten, obwohl bereits rechtliche Schritte eingeleitet worden waren (die später fallengelassen wurden). Ob der aktuelle Fed-Vorsitzende ähnlichem Druck standhalten wird, ist offen – zumal Warsh selbst in seiner jüngsten Rede in Jackson Hole eine recht restriktive Haltung zur Inflation eingenommen hat.
Vor diesem Hintergrund könnten CPI und PPI als der Katalysator dienen, der den Arbeitsmarktdaten gefehlt hat. Der Konsens erwartet, dass die US-Verbraucherpreise im August auf etwa +0,4% gegenüber dem Vormonat anziehen (nach +0,1%), während die Jahresrate in der Nähe von 3,4% verharrt. Für die Kernrate des CPI wird mit einer Bestätigung des monatlichen Juli-Werts von +0,2% und einem leichten Rückgang im Jahresvergleich (von 2,5% auf 2,4%) gerechnet.
Beim PPI stellt sich der Markt auf eine Beschleunigung ein: Der Produzentenpreisindex soll um etwa 0,4% im Monatsvergleich und auf rund 4,9% im Jahresvergleich ansteigen (einige Schätzungen liegen sogar bei etwa 5,1%). Dieses Szenario erscheint mit Blick auf den Öl-Faktor plausibel. Im Juli schlug er sich in den Inflationsdaten kaum nieder: Im CPI ging der Energieposten sogar zurück (-1,5%), und der PPI verharrte auf der Stelle. Allerdings wird ein Großteil der PPI-Daten früh im Monat erhoben, sodass der starke Anstieg der Ölpreise im Sommer noch nicht in den Juli-Bericht eingeflossen ist. Die August-Daten sollten den sommerlichen Energieimpuls widerspiegeln.
Liegen die CPI-/PPI-Daten im „grünen Bereich“, werden die Positionen der Falken deutlich gestärkt – insbesondere vor dem Hintergrund von Warshs scharfer Rhetorik in Jackson Hole. Selbst Christopher Waller, der derzeit zuwarten will, warnte, dass er weitere Zinserhöhungen unterstützen würde, falls die Inflation wieder anzieht.
Kommen die Inflationsdaten dagegen im „roten Bereich“ heraus, gerät der Dollar erheblich unter Druck (auch wegen der Aussagen von Waller und Trump) – dann dürften die Käufer im EUR/USD vermutlich in die Zone von 1,1640–1,1680 zurückkehren, mit der Perspektive, den Bereich um 1,17 zu testen.
Zu beachten ist, dass wegen Labor Day in den USA die Bundesbehörden und das Bureau of Labor Statistics am Montag (7. September) geschlossen sind. Die Arbeitswoche beginnt daher erst am Dienstag, und die Inflationsveröffentlichungen verschieben sich um einen Tag – PPI wird am Donnerstag (10. September) und CPI am Freitag (11. September) veröffentlicht.
Die zweite zentrale Geschichte der Woche ist die EZB-Sitzung am Donnerstag, den 10. September. Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ist nahezu vollständig eingepreist – das ist das Basisszenario. Entsprechend richtet sich der Marktfokus auf das begleitende Statement und die Rhetorik von Christine Lagarde.
Die jüngsten Inflationsdaten werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten. In Deutschland hat sich die Verbraucherpreisinflation im August auf 2,9% im Jahresvergleich erhöht (nach 2,8% im Juli), während die Kernrate bei 2,4% verharrte. Im Euroraum deuten vorläufige HICP-Schätzungen auf eine Beschleunigung auf 3,3% gegenüber dem Vorjahr hin (nach 2,9%), wobei die Energiekomponente auf 14,3% sprang. Gleichzeitig hat sich die Kerninflation auf 2,4% abgeschwächt.
Damit spiegelt sich der Energieschock bislang in der Gesamtinflation wider, ohne sich in einem anhaltenden Anstieg der Kernpreise niederzuschlagen – der „sekundäre Effekt“ ist noch nicht zu erkennen. Die EZB könnte daher einen „dovish hike“ liefern. Betont Lagarde die vorübergehende Natur des Energieschubs und verwendet eine vorsichtige Rhetorik in Bezug auf weitere Straffungen, gerät der Euro trotz Zinserhöhung kräftig unter Druck. Signalisiert sie hingegen, dass der Schritt im September nicht der letzte sein dürfte, erhält die Gemeinschaftswährung (und damit EUR/USD) zusätzlichen fundamentalen Rückenwind.
Die kommende Woche kann richtungsweisend sein. Die CPI-/PPI-Daten werden die Erwartungen an den Kurs der Fed prägen, während die EZB-Sitzung die Persistenz der Preisdynamik im Euroraum auf den Prüfstand stellt. Die Kombination dieser beiden Faktoren könnte EUR/USD endlich aus seiner langanhaltenden Seitwärtsphase befreien.
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